Das internationale humanitäre System steht an einem Wendepunkt. Wäh- rend die humanitären Bedarfe weiter steigen, schrumpfen die finanziel- len Mittel, um diese zu decken. Zugleich schwindet das Vertrauen in Krisenregionen und Geberländern. In dieser Lage wecken Innovationen, allen voran Künstliche Intelligenz (KI), Hoffnungen auf mehr Effizienz, schnellere Reaktionszeiten und neue Formen der Zusammenarbeit. Dabei ist KI im humanitären Bereich keineswegs neu: Spezialisierte KI-Anwendungen unterstützen längst, etwa bei der Schadenserkennung, Frühwarnung oder Sprachverarbeitung. Der Aufstieg generativer KI (GenKI) markiert jedoch einen qualitativen Sprung. GenKI-Tools erzeugen eigenständig Texte, Bilder und Szenarien – mit großem transformativem Potenzial, aber auch erheb- lichen ethischen Risiken. Spannungen zwischen Effizienz- gewinn und humanitären Prinzipien treten dadurch deutlicher zutage. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich dieses Paper nicht mit der Frage, ob (Gen)KI in der humanitären Hilfe eingesetzt werden sollte, sondern wie humanitäre Innovationen – mit und ohne KI – erfolgreich in der Praxis skaliert werden und welche Rolle Ethik, Macht und Verantwortung dabei spielen.